„Ich bin Enologo per amore.“ Und man glaubt es ihm sofort.
Ich weiß noch genau, wie ich vor Jahren einen Artikel im Forbes Magazine las — über einen jungen Winzer aus Apulien, der nicht einfach nur Wein machte. Er erzählte Geschichten. Geschichten von alten Rebstöcken, von vergessenen Hügeln, von einer Entscheidung, die sein Leben verändern sollte: die Rückkehr in seine Heimat. Da wusste ich: Diesen Menschen muss ich treffen.
Auf dem Gut
Betrieb
Cantina Giovanni Aiello
Wo
Castellana Grotte im Itria-Tal
Region
Apulien
Zurückgekehrt
2015 — nach Friaul, Kalifornien und Australien
Ausbildung
Önologie in Conegliano Veneto
Linie
Chakra — Blu, Verde, Rosso, Rosato, Essenza
Etiketten
von Hand gestempelt, keines gleicht dem anderen
Familie
Annalisa, Maria Giulia und Francesco — dazu Coco und Lola
Im Sommer
alle zwei bis drei Wochen eine Chakra-Party
Woher er kommt
Apulien
Das Itria-Tal zwischen Putignano, Castellana Grotte und Locorotondo ist Karstland: heller Kalkstein, Trulli auf den Feldern, Höhlen im Untergrund. Weinbau war hier lange kein Thema — die großen Namen Apuliens liegen weiter südlich. Genau deshalb ist Giovanni hierher zurückgekehrt und nicht in eine bekannte DOC-Region.
Cantina Giovanni Aiello Via Marchione 36, 70013 Castellana Grotte (BA)
Giovanni Aiello ist ein Mann, der leise wirkt und dennoch tief nachhallt. Geboren im Süden Apuliens, studierte er Önologie in Conegliano Veneto, sammelte Erfahrung im Friaul, in Kalifornien und Australien. Die Welt stand ihm offen. Und doch kehrte er 2015 zurück. Nicht in eine bekannte DOC-Region, sondern nach Putignano — ein Ort, der bis dahin kaum mit Weinbau verbunden war. Genau dort schlug er Wurzeln.
Seine Entscheidung war nicht strategisch. Sie war emotional. „Ich bin Enologo per amore“, sagt er oft. Und man glaubt es ihm sofort. Giovanni macht Wein mit Verstand, aber vor allem mit Intuition, mit einer Verbindung zur Erde, die tief geht. Seine Weine sollen nicht nur schmecken. Sie sollen fühlen lassen.
Weine, die Frequenzen haben
Die einzige Linie seines Hauses heißt Chakra: Blu, Verde, Rosso, Rosato und Essenza. Inspiriert vom Konzept der Energiezentren des Körpers steht jede Farbe für ein Gefühl, einen Zustand, eine Schwingung. Giovanni glaubt daran, dass Wein eine Art energetischer Träger ist. Dass er über das Glas hinaus wirken kann.
Die Etiketten? Kleine Kunstwerke. Jedes einzelne wird per Hand gestempelt. Die Technik dazu — mit Nägeln erzeugte Muster auf Holz — hat Giovanni sich aus traditionellen Stempelmethoden indigener Kulturen abgeschaut. Kein Etikett gleicht dem anderen. Alles ist Energie, alles ist Prozess. Nichts ist statisch.
Mit Nägeln erzeugte Muster auf Holz — abgeschaut bei traditionellen Stempelmethoden indigener Kulturen.
Besonders berührt hat mich der Chakra Essenza. Ein Wein aus einem alten Weinberg, den Giovanni gemeinsam mit Senioren aus dem Ort bewirtschaftet — Menschen, die ihre Reben eigentlich schon aufgegeben hatten. Giovanni gab ihnen einen Grund weiterzumachen — und neues Vertrauen in ihre Arbeit.
„Dieser Wein ist unsere gemeinsame Stimme“, sagt er. „Er erzählt von Respekt, von Dialog, von Würde.“
Ein Kindheitstraum im Fels
2024 erfüllte sich Giovanni einen Kindheitstraum. Das Anwesen, an dem er als Junge täglich vorbeifuhr — einst eine alte Winzergenossenschaft — wurde seine neue Cantina. Der Umbau war aufwändig, aber geführt von einer Vision: Hier soll nicht nur Wein gemacht werden. Hier soll gelebt, gelacht, erinnert und gefeiert werden.
Unten, im alten Gewölbe, ruhen nun große Holzfässer. Dazwischen: ein langer Verkostungstisch, handgestempelte Etiketten, apulische Häppchen. Und ein Eventraum, direkt in den Fels geschlagen, in dem heute namhafte Firmen Veranstaltungen abhalten. Ein Ort, der nicht nur Raum gibt, sondern Herzen verbindet.
Keine Vinothek. Eine Piazza.
In den Sommermonaten verwandelt sich Giovannis Weingut alle zwei bis drei Wochen in eine Bühne der Sinne. Seine Chakra-Partys sind längst mehr als Verkostung — sie sind ein Bekenntnis zur Gemeinschaft. Jede Feier ist einem seiner Weine gewidmet und damit einer Farbe. Zur Blu-Party tragen die Gäste Blau, tanzen Pizzica, essen frisch frittierte Panzerotti und Bombette vom Grill.
„Ich wollte keinen Verkostungsraum“, sagt Giovanni. „Ich wollte eine Piazza.“ Und genau das hat er geschaffen. Die Partys sind so beliebt, dass inzwischen Parkwächter engagiert werden müssen. Gäste reisen von weit her an.
Giovanni lebt mit seiner Frau Annalisa und den beiden Kindern Maria Giulia und Francesco auf dem Gut. Begleitet wird die Familie von zwei Berner Sennenhunden: Coco und Lola — sanfte Seelen, die alle Besucher mit wachem Blick und wedelndem Schweif empfangen. Wer hierher kommt, merkt schnell: Das ist kein Projekt. Das ist Leben.
Giovanni denkt in Zyklen, nicht in Quartalszahlen. Seine Weine sind mittlerweile in internationalen Spitzenrestaurants gelistet. Doch wichtiger ist ihm der Moment, in dem jemand in Putignano ein Glas erhebt und sagt: „Das schmeckt nach dir.“
Coco und Lola empfangen jeden Besucher mit wachem Blick und wedelndem Schweif.
Was bleibt
Giovanni Aiello ist ein Genussheld, weil er Mut hat, neue Wege zu gehen — ohne die alten zu vergessen. Weil er nicht fragt, was sich gut verkauft, sondern was sich richtig anfühlt.
Und weil seine Weine nicht laut sind. Aber sie bleiben. Genau wie er. Alles, was er tut, tut er mit Verstand, mit Gefühl — und mit Amore.
kehrte Giovanni nach Apulien zurück — aus Kalifornien und Australien, in einen Ort ohne Weinbautradition.
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Weine hat seine Linie Chakra: Blu, Verde, Rosso, Rosato und Essenza. Jeder steht für eine Farbe und ein Gefühl.
2024
wurde eine alte Winzergenossenschaft seine Cantina — das Anwesen, an dem er als Junge täglich vorbeifuhr.
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Etiketten gleichen einander. Jedes wird einzeln von Hand gestempelt.
Warenkunde
Warum das Itria-Tal keine Weinregion war
Apulien ist das Weinland Italiens — nach Menge liegt die Region regelmäßig auf Platz eins oder zwei. Nur kommt der Wein traditionell aus dem Süden: Primitivo aus Manduria, Negroamaro aus dem Salento, Nero di Troia im Norden. Das Itria-Tal dazwischen war lange etwas anderes.
Karst statt Lehm
Der Boden hier ist Kalkstein, dünn überdeckt von rotem Verwitterungsboden, der terra rossa. Regenwasser versickert sofort und verschwindet in Höhlen — Castellana Grotte hat davon die berühmtesten Italiens. Für die Rebe heißt das: wenig Wasser, viel Mineral, karge Erträge. Wer auf Menge wirtschaftet, pflanzt woanders. Für Qualität ist genau das ein Vorteil. Wasserstress zwingt die Pflanze, weniger und kleinere Beeren zu bilden; das Verhältnis von Schale zu Saft verschiebt sich, und in der Schale sitzen Farbe, Tannin und Aroma. Dazu kommt die Höhe: Das Itria-Tal liegt vierhundert Meter über dem Meer, und die kühlen Nächte erhalten die Säure, die im heißen Süden verlorengeht.
Verdeca — die Rebsorte, die niemand wollte
Der Chakra Verde ist aus Verdeca, einer weißen Sorte, die fast nur im Itria-Tal wächst. Jahrzehntelang wurde sie als Grundwein für Wermut nach Turin verkauft — sie war neutral, säurebetont und billig. Genau diese Eigenschaften machen sie heute interessant: Wo andere Weißweine im apulischen Sommer schlaff werden, bleibt Verdeca frisch.
Gioia del Colle ist nicht Manduria
Der Chakra Rosso kommt aus Gioia del Colle DOC, und das ist die kühlere Heimat des Primitivo. Die Lagen liegen zwischen 350 und 500 Metern; die Trauben reifen langsamer als in der Ebene um Manduria. Das Ergebnis ist ein Primitivo mit weniger Wucht und mehr Kontur — schlanker, säurehaltiger, länger haltbar.
Was am Etikett dran ist
Handgestempelt heißt auch: keine Maschine, keine Auflage, kein Nachdruck. Jede Flasche ist ein Einzelstück. Bei einem Wein, der nach Gefühl und nicht nach Norm gemacht wird, ist das konsequenter, als es klingt.
Die drei Dinge, auf die es ankommt
Kalkboden
Wenig Wasser, viel Mineral. Er macht die Weine schlanker und salziger als die des heißen Südens.
Höhe
Vierhundert Meter und kühle Nächte. Sie sind der Grund, warum ein apulischer Weißwein hier überhaupt Säure behält.
Alte Reben
Der Chakra Essenza kommt aus einem Weinberg, den ältere Leute aus dem Ort bewirtschaften. Alte Stöcke tragen wenig — und genau deshalb konzentriert.
Ich wollte keinen Verkostungsraum. Ich wollte eine Piazza.
Ein Önologe aus Apulien, der in Conegliano Veneto studierte und im Friaul, in Kalifornien und Australien arbeitete. 2015 kehrte er nach Apulien zurück und baute im Itria-Tal ein Weingut auf — in einer Gegend ohne Weinbautradition. Er lebt mit seiner Frau Annalisa und den Kindern Maria Giulia und Francesco auf dem Gut.
Was bedeutet „Enologo per amore“?
Önologe aus Liebe. Es ist Giovannis eigene Beschreibung seiner Entscheidung, zurückzukehren — sie war nicht strategisch, sondern emotional. Der Satz steht auch auf seiner Visitenkarte.
Was bedeutet der Name Chakra?
Die Linie ist nach den Energiezentren des Körpers benannt. Jeder Wein steht für eine Farbe und ein Gefühl: Blu, Verde, Rosso, Rosato und Essenza. Giovanni sieht Wein als energetischen Träger.
Warum ist jedes Etikett anders?
Weil jedes von Hand gestempelt wird. Die Technik — mit Nägeln erzeugte Muster auf Holz — hat Giovanni sich von traditionellen Stempelmethoden indigener Kulturen abgeschaut. Kein Etikett gleicht dem anderen.
Was ist der Chakra Essenza?
Ein Wein aus einem alten Weinberg, den Giovanni gemeinsam mit Senioren aus dem Ort bewirtschaftet — Menschen, die ihre Reben schon aufgegeben hatten. „Dieser Wein ist unsere gemeinsame Stimme“, sagt er.
Was sind die Chakra-Partys?
Im Sommer verwandelt sich das Weingut alle zwei bis drei Wochen in eine Bühne. Jede Feier ist einem Wein und damit einer Farbe gewidmet: Zur Blu-Party trägt man Blau, tanzt Pizzica und isst Panzerotti und Bombette vom Grill. Inzwischen braucht es Parkwächter.
Welche Weine von Giovanni Aiello gibt es bei Lettinis?
Den Chakra Verde aus der Verdeca, den Chakra Rosato aus Primitivo und den Chakra Rosso aus Gioia del Colle DOC.