Die Apfelplantagen des Torggler Hofs im Passeiertal
Genussheld · San Leonardo in Passeier
Familie Pichler
Er wollte eine „fesche“ Frau kennenlernen. Also fing er an, Hoffeste zu veranstalten.
Martin lernte ich beim Bar Convent in Berlin kennen, einer Fachmesse für Spirituosen, auf der mir seine cremeweiße APE mit den hellrot leuchtenden, gefüllten Gläsern und der charmante Zweig Rosmarin auffielen. Er bot mir einen „JoRo“-Cocktail aus Johannisbeeren und Rosmarin an. Ich bestellte direkt auf der Messe die ersten Flaschen — und acht Monate später fuhr ich auf den Torggler Hof.
Betrieb
Torggler Hof
Wo
Passeiertal, Südtirol
Region
Alto Adige
Gegründet
2012
Fläche
rund 63 Hektar Apfelplantagen
Mitarbeiter
67
Produkte
Säfte, Cider, Sirupe, Fruchtaufstriche
Ernte
jeder Apfel von Hand
Ausgezeichnet
bester Cider auf der CIDERWORLD
Woher er kommt
Alto Adige
Der Torggler Hof liegt im Passeiertal in Südtirol, nördlich von Meran. Apfelland: Die Region ist das größte zusammenhängende Apfelanbaugebiet Europas — die Höhenlage zwischen Tal und Berg, die kühlen Nächte und die vielen Sonnenstunden geben den Früchten Säure und Aroma zugleich.
Eigentlich war der Torggler Hof ein klassischer Apfelbauernhof, dessen Bewirtschaftung kaum Zeit für Freizeit ließ. Dennoch wollte der junge Sepp eine „fesche“ Frau kennenlernen und langfristig auf diesem Hof eine Familie gründen. So begann er also, hier Hoffeste zu organisieren — in der Hoffnung, auf einem dieser Feste die „Richtige“ kennenzulernen.
Die Feste wurden ein Riesenerfolg, der dazu führte, dass der Hof nach und nach ausgebaut wurde. Sein eigentlicher Plan ging irgendwann ebenso auf: Er lernte eines Abends seine Mali kennen, die von den inzwischen legendären Festen gehört hatte und sich aus einem 80 Kilometer entfernten Bergdorf auf den Weg gemacht hatte.
„Mali hätte ich ja sonst nie kennengelernt“, lachte Sepp und gestand zwinkernd, dass er immer noch verliebt sei wie am ersten Abend. Heute haben die beiden drei Kinder — Maria, Martin und Johannes — und inzwischen zwei Enkel.
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Sepp und Mali Pichler auf dem Torggler Hof
„Mali hätte ich ja sonst nie kennengelernt.“
Zwei Säfte, zwei Charaktere
Die Familie bewirtschaftet rund 63 Hektar Apfelplantagen und stellt hauptsächlich zwei Apfelsäfte her. Der klassische besteht aus Golden Delicious und einem kleinen Anteil Granny Smith — süß, mild und moderat in der Säure, also für die ganze Familie eine gute Wahl.
Relativ neu baut die Familie auch die Sorte Baia Marisa an, aus der der Apfelsaft Rouge hergestellt wird. Dieser leicht rötliche Saft ist weniger süß, weist eine höhere Säure auf und ist eher für Erwachsene konzipiert. Baia-Marisa-Bäume haben zudem eine hohe Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge. Der Apfel kennzeichnet sich durch ein rötliches Fruchtfleisch und ist eine der wenigen Sorten, die rosafarbene Blüten am Baum entwickeln.
Jeder Apfel wird bei der Familie Pichler per Hand geerntet — mit Liebe versteht sich. So wie eigentlich alles, was ich hier sehen und erleben durfte.
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Baia-Marisa-Äpfel mit ihrem rötlichen Fruchtfleisch
Vom Apfel zum Cider, vom Cider zum Wein
Neben Apfelsaft, dem JoRo, Apfelchutney und anderen Apfel-Feinkostprodukten stellt die Familie einen Apfelcider her, jüngst als bester Cider auf der CIDERWORLD ausgezeichnet.
Inzwischen hat man sich auch den Traum eines kleinen Weinbergs erfüllt. Hier wird für den Hofkonsum Blauburgunder angebaut, der mit der Unterstützung von Hansi, einem befreundeten Winzer, ein richtig guter Wein ist — den es unbedingt vor Ort zu probieren gilt.
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Die Flaschen vom Torggler Hof: Cider, Sirupe und Säfte
Törggelen und ein Sekt namens Mali
Legendär sind auch die Feste zum Ende der Weinlese, die in Südtirol Törggelen genannt werden und natürlich auch hier gefeiert werden. Der Begriff stammt von der hölzernen Weinpresse — der Torggl —, in der einst die Weintrauben zerquetscht wurden, um den Most zu gewinnen. Daher hat auch der Hof seinen Namen.
Am Abend vor meiner Abreise haben wir alle gemeinsam noch mal angestoßen. Auf Südtirol, auf das Leben und auf wunderschöne Momente — mit einem Glas rougefarbenem Apfelsekt. Benannt ist der Sekt übrigens nach Mama „Mali“, die „Unermüdliche“, wie sie von allen liebevoll genannt wird. Sepps große Liebe, ohne die es diesen magischen Ort nicht geben würde.
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Das Törggelen zum Ende der Weinlese auf dem Torggler Hof
Mali hätte ich ja sonst nie kennengelernt.
Sepp Pichler über die Hoffeste, die er einst aus einem einzigen Grund veranstaltete
Gut zu wissen
Vier Zahlen zum Hof
63
Hektar Apfelplantagen bewirtschaftet die Familie — jeder Apfel wird von Hand geerntet.
80
Kilometer fuhr Mali aus ihrem Bergdorf zu einem der Hoffeste. Sie blieb.
67
Menschen arbeiten heute auf dem Hof. Angefangen hat alles mit einem Apfelbauern, der eine Frau suchte.
1
Cider vom Hof wurde auf der CIDERWORLD zum besten gekürt.
Warenkunde
Warum Südtirol so viele Äpfel hat
Südtirol ist das größte zusammenhängende Apfelanbaugebiet Europas. Etwa jeder zehnte Apfel der EU wächst hier — auf einer Fläche, die kleiner ist als das Ruhrgebiet.
Der Trick ist die Höhe
Apfelbäume brauchen Sonne für den Zucker und Kälte für die Säure. Südtirol liefert beides am selben Tag: Über 300 Sonnentage im Jahr, und wegen der Höhenlage zwischen 200 und 1000 Metern kühlt es nachts stark ab. Diese Tag-Nacht-Amplitude ist der ganze Unterschied. Zucker bildet die Pflanze tagsüber durch Photosynthese; nachts veratmet sie ihn wieder, aber nur wenn es warm ist. Kalte Nächte bremsen die Atmung — der Zucker bleibt, die Apfelsäure ebenfalls. Das Ergebnis ist ein Apfel, der süß und säurebetont schmeckt statt nur süß. Genau daran erkennt man einen Bergapfel.
Warum Golden Delicious und Granny Smith zusammengehören
Der klassische Saft vom Torggler Hof mischt beide, und das ist keine Beliebigkeit. Golden Delicious bringt Zucker und Aroma, hat aber wenig Säure — allein ergibt sie einen flachen, pappigen Saft. Granny Smith hat einen hohen Apfelsäuregehalt und wenig Aroma. Ein kleiner Anteil davon hebt den ganzen Saft an, ohne ihn sauer zu machen. Dasselbe Prinzip wie ein Spritzer Zitrone im Essen.
Der rote Apfel, der innen rot ist
Baia Marisa gehört zu den seltenen Sorten mit rotem Fruchtfleisch. Verantwortlich sind Anthocyane — dieselben Farbstoffe, die Rotkohl und Blaubeeren färben. Bei fast allen Äpfeln sitzen sie nur in der Schale; hier reichen sie bis ins Fleisch. Anthocyane sind zugleich Antioxidantien, und sie erklären auch die rosafarbene Blüte: Es ist derselbe Stoff in derselben Pflanze. Praktisch bedeutet das: Der Saft ist rötlich, ohne dass etwas zugesetzt wäre — und er ist säurebetonter, weil die Sorte weniger Zucker bildet.
Und was ist Törggelen?
Der Herbstbrauch Südtirols: Nach der Weinlese kehrt man ein, trinkt den neuen Wein und isst Speck, Kastanien und Krapfen. Der Name kommt vom Torggl, der hölzernen Weinpresse — und von der hat auch der Torggler Hof seinen Namen.
Die drei Dinge, auf die es ankommt
Handernte
Ein maschinell geernteter Apfel bekommt Druckstellen, und Druckstellen oxidieren. Bei 63 Hektar ist Handlese eine Entscheidung, keine Selbstverständlichkeit.
Die Sortenmischung
Zucker aus der einen, Säure aus der anderen. Ein Saft aus nur einer Sorte schmeckt fast immer eindimensional.
Kalte Nächte
Sie sind der Grund, warum Bergäpfel Säure behalten. Im Flachland gibt es diesen Effekt nicht.
Auf Südtirol, auf das Leben und auf wunderschöne Momente.
Der Aperitivo, den Stefania auf dem Bar Convent in Berlin entdeckt hat. Mit Sprudel alkoholfrei, mit Prosecco erst recht. Reicht für rund zwölf Gläser.
Sepp und Mali Pichler führen mit ihren Kindern Maria, Martin und Johannes den Torggler Hof in Südtirol: rund 63 Hektar Apfelplantagen, 67 Mitarbeiter, dazu ein Hotel. Stefania lernte Martin auf dem Bar Convent in Berlin kennen.
Was ist der JoRo?
Ein Sirup aus Johannisbeere und Rosmarin vom Torggler Hof — der Name setzt sich aus beidem zusammen. Mit Sprudelwasser ergibt er einen alkoholfreien Aperitivo, mit Prosecco einen Spritz. Garniert wird mit einem Zweig Rosmarin.
Was ist ein Baia-Marisa-Apfel?
Eine seltene Sorte mit rötlichem Fruchtfleisch und rosafarbenen Blüten. Verantwortlich sind Anthocyane, die sonst nur in der Schale sitzen. Aus ihr entsteht der Apfelsaft Rouge — weniger süß und säurebetonter als der klassische.
Warum ist Südtirol so gut für Äpfel?
Wegen der Höhenlage. Über 300 Sonnentage geben Zucker, und die kalten Nächte bremsen die Veratmung, sodass Zucker und Apfelsäure erhalten bleiben. Deshalb schmeckt ein Bergapfel süß und säurebetont zugleich.
Was bedeutet Törggelen?
Der Südtiroler Herbstbrauch nach der Weinlese: einkehren, neuen Wein trinken, Speck, Kastanien und Krapfen essen. Der Name kommt vom Torggl, der hölzernen Weinpresse — daher heißt auch der Hof so.
Was gibt es vom Torggler Hof bei Lettinis?
Den JoRo Spritz in der großen Flasche — der Sirup aus Johannisbeere und Rosmarin, mit dem alles anfing.